Als ich vor einigen Monaten eine E-Mail von Jessica Lessin erhielt, war ich zunächst etwas verwirrt. Ich kannte sie zwar nicht persönlich, hatte aber schon viele Texte von ihr gelesen. Lessin war beim Wall Street Journal für die Berichterstattung über Apple verantwortlich. In ihrer Mail, auf Twitter und später auch auf ihrer persönlichen Seite kündigte sie an, das Wall Street Journal zu verlassen, um sich auf ein eigenes Projekt konzentrieren zu wollen. Ein mutiger Schritt.

Wenig später schloss sich ihr Amir Efrati (@amir) an. Efrati arbeitete ebenfalls fürs Wall Street Journal. Genau wie Lessin war er dort für die Berichterstattung über Technologie-Themen verantwortlich.

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es immer mal wieder Neuigkeiten von den beiden. Neuzugänge wie Katie Benner (@ktbenner), Eric P. Newcomer (@EricNewcomer), Matt Vascellaro (@WizardGenius) und Jessica Stark (@JH_Stark) wurden vermeldet, es gab vereinzelte Hinweise auf einen Starttermin, und Lessin und ihr Team veröffentlichten auch hin und wieder Texte auf www.jessicalessin.com. Über Apple, Amazon und Co. Sie taten das, was sie schon immer getan hatten: Scoops, gut recherchierte Hintergrundgeschichten und Analysen schreiben.

Seit Mittwoch wissen wir nun, wohin es mit Lessin und ihren Kollegen geht: The Information heißt die neue Seite, und es handelt sich um ein Bezahlangebot, das sich an eine bestimmte Zielgruppe richtet, die Lessin wie folgt beschreibt:

We are focusing on writing for readers we think are underserved: professionals in technology and in industries being upended by it. These readers find plenty to read every day but they don’t consistently find news that is relevant to them and their business challenges. They don’t often find news that takes a stand supported by facts. We aim to do both.

Zum Start gibt es bereits mehrere Texte, die kurz angeteasert werden. Lessin schreibt zum Beispiel darüber, wie Apple die Entwickler von bestimmten Apps dabei unterstützt, ihre Programme zu „verbessern“. Anschließend werden sie dafür prominent im App Store präsentiert. Eric P. Newcomer befasst sich mit Crowdfunding und Katie Benner geht der Frage nach, ob  Cisco im kommenden Jahr vielleicht eine Abrechnung droht.

Die Seite ist einfach gestaltet, gefällt mir auf den ersten Blick jedoch recht gut. Was noch fehlt, ist der Preis. Und der hat es in sich. 400 US-Dollar kostet die Mitgliedschaft, 39 Dollar sind es, wenn man sich für eine monatliche Zahlung entscheidet. Zum Vergleich: Abonnenten der digitalen Angebote von Financial Times und New York Times zahlen um die 35 Dollar im Monat.

Ob sich diese Preisgestaltung auszahlt, muss sich zeigen. Allerdings können Lessin und ihre Mitstreiter auf eine große Gefolgschaft zählen. Sie sind als Journalisten zu Marken geworden, sie haben mehrere tausend Follower auf Twitter und in den anderen sozialen Netzwerken. Ihre Texte wurden und werden häufig zitiert, ihre Quellen haben sie von ihren früheren Jobs zum Teil übernommen.

Ich persönlich wünsche mir, dass sie mit ihrem journalistischen Start-up Erfolg haben. Denn es braucht Experimente – besonders bei der Berichterstattung über die so genannte Tech-Szene. Hin und wieder darf man Evgeny Morozov ja zustimmen.

PS: Schicke Cartoons gibt es auch. Sorry, @Uber.