Auf Youtube und anderen Videoplattformen lassen sich heute unzählige Kopien des Films finden. Manche wurden bereits über eine Million Mal abgerufen. Was jedoch kaum jemand weiß: Verantwortlich dafür, dass wir dieses historische Dokument heute sehen können, ist ein Deutscher. Doch der Reihe nach.

Als Steve Jobs 1984 den ersten Mac aus dem Sack ließ, war das eine große Sache. Apple war damals zwar noch keine acht Jahre alt. Doch schon 1980 hatte das Unternehmen die Umsatzgrenze von 100 Millionen US-Dollar durchbrochen und am 12. Dezember des gleichen Jahres den Gang an die Börse gewagt. Schlagartig war der Computer-Hersteller 1,8 Milliarden Dollar wert und seine Gründer gemachte Männer. Der Mac sollte die Erfolgsgeschichte der Firma fortschreiben. Und das war auch dringend nötig.

Ein Jahr zuvor hatte Apple den Lisa Computer vorgestellt und damit erstmals versucht, die grafische Bedienoberfläche auf dem Massenmarkt einzuführen. Doch weil der Preis von fast 10.000 Dollar viel zu hoch war, um mit preisgünstigeren IBM-PCs mithalten zu können, blieb ein Geschäftserfolg aus. Die Erwartungen waren also hoch an diesem 24. Januar.

Scott Knaster arbeitete damals für Apple. Er war als technischer Redakteur bei der Entstehung des Mac hautnah dabei, und wir können uns bei ihm dafür bedanken, dass es das Video von der Geburtsstunde des Macintosh Computers gibt. Eine öffentliche TV-Station übertrug die Veranstaltung damals – und Knaster nahm die Sendung mit seinem Videorekorder auf.

Anschließend geriet die Aufnahme jedoch in Vergessenheit. Erst 20 Jahre später besann sich Knaster seiner Videokassette, und er erwähnte sie gegenüber Andy Hertzfeld. Hertzfeld war Apple-Entwickler der ersten Stunde und gerade dabei, eine neue Website auf die Beine zu stellen. Auf Folklore.org wollte er Geschichten über die ersten Tage des Mac erzählen.

Hertzfeld besuchte Knaster, und gemeinsam sahen sie sich die Aufzeichnung der Mac-Geburt an. Wenig später erschien ein Artikel über die Präsentation des ersten Macintosh-Computers auf Folklore.org, und Hertzfeld bedankte sich in den Kommentaren bei Knaster dafür, dass er sich das Video ansehen durfte, um so sein Gedächtnis auffrischen zu können.

Es dauerte nur ein paar Tage, da kamen die ersten Anfragen, ob man das Video nicht allgemein zur Verfügung stellen könnte. Knaster – über General Magic und Microsoft heute übrigens bei Google angestellt – antwortete:

The video is in Beta (that’s a format, not a test version) and it’s not great quality, but if anybody is keen on digitizing it, let me know.

Ein paar Tage später meldete sich tatsächlich jemand, der bereit war, das alte Video zu digitalisieren. Der Medienproducer und Journalist Manfred „majo“ Heinze aus Köln bot an, sich die Sache einmal genauer anzusehen. Heinze dürfte alteingesessen Apple-Fans in Deutschland als ehemaliger Herausgeber von Mac-Essentials.de und IT&W ein Begriff sein. Doch für Knaster war er ein Unbekannter. Trotzdem entschied sich der US-Amerikaner dafür, ihm seine Rarität anzuvertrauen. Er steckte das Video in ein Paket und schickte es nach Deutschland.

Knaster berichtet, dass Heinze Probleme damit hatte, das Material aufzuarbeiten. Die Bildqualität war schlecht, es war 20 Jahre alt – und die Veranstaltung auch gar nicht dafür ausgeleuchtet worden, um ein Video aufzunehmen. Dennoch gelang es dem Deutschen, die entscheidende Szene zu digitalisieren. Am 24. Januar 2005 – also am 21. Jahrestag der Mac-Geburt – veröffentlichte Heinze einen Ausschnitt des Materials auf seiner Seite. Zu sehen ist: Steve Jobs, wie er den Macintosh aus dem Sack holt. Darüber stand geschrieben:

Fear not, faithful Mac believers. We have found it. We have found what seems to be the only copy of a public TV broadcast on that very day. (…) we’ve polished it, cleaned it, huged it and digitzed it. Here it is. It goes back to the people who’ve made the Macintosh, and to the world.

Das Video war 20 MB groß und musste heruntergeladen werden. Kein Wunder also, dass die Seite von Heinze dem Ansturm nicht lange gewachsen war. Denn die Resonanz war überwältigend. Wie aus den Kommentaren unter dem damaligen Blogeintrag von Knaster hervorgeht, erregte das Video weltweit Aufmerksamkeit.

Der ursprüngliche Eigentümer beschreibt den Tag vor neun Jahren rückblickend mit den Worten: „Ich habe dabei zugesehen, wie die Kommentare aus der ganzen Welt einliefen. Die Menschen standen morgens auf und entdeckten das ‚verlorene’ Video (von dem ich gar nicht gewusst hatte, dass es verloren gewesen war). Die Kommentare zeigen, wie aufgeregt sie darüber waren, den Film zu sehen, und wie selbstverständlich es für sie war, dabei zu helfen, Mirror anzubieten. Der Tag war ziemlich cool.“

Drei Wochen später wurde Youtube gegründet, und heute findet man das Material hundertfach im Netz.

Vom 30. Geburtstag des Macs und dem neuerlichen Interesse an „seinem“ Video hat Manfred „majo“ Heinze leider nichts mehr mitbekommen. Er verlor am 10. November 2010 seinen Kampf gegen den Krebs.

—–

Übrigens: Dieser Tage ist noch ein Video aufgetaucht, das lange als verschollen galt. Die Geschichte dazu findet man beim TIME Magazin. Unbedingt lesenswert.