Tom Perkins hat Angst vor einer neuen Pogromnacht. Der Mitgründer des Risikokapitalgebers Kleiner Perkins befürchtet, dass es diesmal die Elite aus Silicon Valley treffen könnte. Darum hat er einen Leserbrief an das Wall Street Journal geschrieben.

Kleiner Perkins Caufield & Byers – das ist doch mal ein Name. KPCB – so die offizielle Abkürzung – ist einer der größten und bekanntesten Risikokapitalgeber der Welt. Mehr als 500 Unternehmen hat die Firma seit ihrer Gründung 1972 bereits finanziell unterstützt, darunter Google, AOL, Amazon, Nest Labs und Zynga.

Tom Perkins ist neben Eugene Kleiner, Frank J. Caufield und Brook Byers einer der Namensgeber von KPCB und war lange Zeit einer ihrer Partner. Heute sitzt der 81-Jährige noch in diversen Aufsichtsräten von US-amerikanischen Unternehmen und berät KPCB laut Angaben auf der Firmenseite weiterhin.

Am Samstag erschien ein Leserbrief in der US-Ausgabe des Wall Street Journals und später auch online auf WSJ.com. Darin kritisiert Perkins „den fortschreitenden Krieg gegen Amerikas ein Prozent – auch genannt ‚die Reichen’“. Was an sich schon fragwürdig anmutet, versucht der 81-Jährige anschließend mit einem hanebüchenen Vergleich zu untermauern. Perkins zieht Parallelen zu Nazi-Deutschland und seinem Krieg gegen das „’eine Prozent’, nämlich die Juden“.

Der Brief beginnt mit folgenden Worten:

Writing from the epicenter of progressive thought, San Francisco, I would call attention to the parallels of fascist Nazi Germany to its war on its „one percent,“ namely its Jews, to the progressive war on the American one percent, namely the „rich.“

Anschließend kritisiert er den San Francisco Chronicle und wirft ihm Stimmungsmache gegen die Reichen vor:

From the Occupy movement to the demonization of the rich embedded in virtually every word of our local newspaper, the San Francisco Chronicle, I perceive a rising tide of hatred of the successful one percent.

Perkins schließt mit den Worten:

This is a very dangerous drift in our American thinking. Kristallnacht was unthinkable in 1930; is its descendent „progressive“ radicalism unthinkable now?

Die potenzielle Stimmungsmache gegen die Reichen mit der versuchten Ausrottung der Juden im Dritten Reich zu vergleichen, das ist schon eine ordentliche Leistung. Kein Wunder, dass es nicht lange dauert, bis die ersten Reaktionen einlaufen. Auch heute – noch Stunden nach der Veröffentlichung, gehört der Brief zu den aktuell am meisten geteilten Artikeln auf WSJ.com. Über 3.200 Tweets und mehr als 400 Kommentare sind eingelaufen. Zahlreiche Medien haben die Debatte aufgegriffen. The Atlantic schreibt zum Beispiel völlig treffend:

This is the reductio ad absurdum of a rich-guy’s persecution complex. The Jews were a minority. The rich are a minority. Therefore, criticizing the rich is akin to committing genocide against the Jews. QED.

Es dauert nicht lange, da meldet sich auch die Firma zu Wort, zu deren Mitgründern und Namensgebern Perkins zählt. Über den offiziellen Firmen-Account bei Twitter lässt man mitteilen:

Seltsam nur, dass Perkins auch weiter als emeritierter Berater auf der Homepage von KPCB geführt wird. (Stand: Sonntag, 26. Januar 2014)

Hier dann noch ein schöner Tweet von Marc Andreessen, seines Zeichens ebenfalls ein bekannter Risikokapitalgeber, den ich niemandem vorenthalten möchte: