Liebe „Medien“,

wir müssen reden.

Am Sonntag lief im Fernsehen der zweite Tatort mit Til Schweiger. Bereits im Vorfeld war durchgesickert, dass die Zuschauer diesmal auch das nackte Hinterteil des Keinohrhasen-Regisseurs zu Gesicht bekommen würden. Schon da fragte ich mich, warum darüber eigentlich berichtet werden muss. Es ist ja nicht so, dass wir etwas Neues zu sehen bekommen.

Aber egal. Wenn es die Einschaltquote steigert, dann zieht der Schweiger halt gerne mal blank. Jetzt also auch im Tatort. Und das schon nach wenigen Sekunden. So schnell bekommt man einen nackten Hintern vermutlich nicht mal in einem schlechten Porno zu sehen. Gäbe es eine Statistik zu den schnellsten Entblößungen in Tatort-Filmen –  Schweigers Popo läge vermutlich ganz weit vorne. Doch zurück zum Sonntag.

Wie immer, wenn ein Tatort läuft, saß ich auf meinem Sofa. Der Fernseher war an, der Nuscheldecoder lief auf Hochtouren, und auf meinem Laptop war die Twitter-App meines Vertrauens geöffnet. Da es bei ähnlich spektakulären Auftritten in der Vergangenheit nie lange gedauert hatte, bis für einen Charakter oder ein Körperteil ein Twitter-Account eröffnet wurde, fragte ich um 20.19 Uhr schon halb aus Verzweiflung:

Da sich 20 Minuten später noch immer niemand erbarmt hatte – und ich dem Geschehen auf dem Fernsehbildschirm wegen Überlastung meines Nuscheldecoders eh nicht mehr folgen konnte – setzte ich mich also hin und erledigte die Sache kurzerhand selbst. Um 20.39 Uhr setzte @tschillerspo seinen ersten Tweet ab.

Die nächsten Minuten bis zum Ende des Tatorts verbrachte ich damit, hin und wieder eine Szene zu kommentieren – aus einer etwas anderen Perspektive als sonst. Einige Tweets wurden weitergeteilt, doch insgesamt hielt sich das Feedback in Grenzen. Als der Tatort zu Ende war, hatte ich 13 Nachrichten abgesendet, etwa 20 „Interaktionen“ verzeichnet und 7 Follower gewonnen. Damit hätte es enden sollen. Damit hätte es enden müssen.

Aber dann gibt es ja noch die Twitter-Abschreiber in Deutschland.

Als ich am Montag ins Büro ging, hatte @tschillerspo plötzlich 50 Follower, zahlreiche Retweets, Favs und Co. – und eine Suche bei Google zeigte mir auch warum. Über Nacht und am Montagmorgen hatten offensichtlich verschieden „Medien“ nichts besseres zu tun gehabt, als Tschillers Po zum Twitter-Star zu erklären.

Eine Auswahl:

Hamburger Abendblatt: Til Schweiger hebt den Tatort auf die Po-Ebene

Bild: Jetzt twittert der Ar*** auch noch!

W&V: Kostenlos-PR für den Tatort: Schweigers Po bekommt Twitter-Account

Express: Til Schweiger: Sein Hintern erobert Twitter

FFH.de: Til Schweigers Po bei Twitter

Promiflash: Tatort POtential? Nun twittert Schweigers Hintern!

Focus: Auch das noch: Jetzt twittert Til Schweigers Po

OE24.at: „Tatort“: Schweigers Po wird Twitter-Star

Grazia: Der Tatort mit Til Schweiger und Tschillers Hintern auf Twitter

OK!: ‚Tschillers Hintern‘ – Schweiger-Po mit Twitter-Account!

Intouch: Til Schweiger: Sein Po twittert jetzt

rtv: Til Schweigers Po hat seit gestern einen eigenen Twitter-Account

Heute.at: Tils Po erhielt eigenen Twitter-Account

Schlimm genug, dass ICH so verrückt bin und mich hinsetze, um einen dermaßen bekloppten Twitter-Account ins Leben zu rufen. Aber dass es dann auch noch Journalisten gibt, die darüber berichten – das ist irgendwie zu viel.

Auf der Welt passieren wichtigere Dinge. Dinge, über die es sich zu berichten lohnt. Der Twitter-Account eines Hinterns gehört ganz sicher nicht dazu.