Die in Deutschland sehr beliebte Fußball-App iLiga bekommt einen neuen Namen. Unter dem Titel Onefootball soll das Angebot der Berliner Firma Motain ab sofort international vertrieben werden. Bislang war das Programm im Ausland vor allem unter dem Begriff „The Football App“ bekannt, in Deutschland hatte man sich dagegen früh für den Begriff iLiga entschieden.

Mit der Umbenennung wollen die Macher vor allem ihrem neuen Produkt Rechnung tragen. Denn die App wird sozialer. „Für einen richtigen Fußball-Fan sind vor allem zwei Clubs wichtig“, sagt Motain-Gründer Lucas von Cranach. „Der Lieblingsverein und die Nationalmannschaft.“ Wer das Programm zum ersten Mal herunterlädt oder die neueste Version installiert, wird darum nun gebeten, seinen Lieblingsverein sowie die passende Nationalmannschaft auszuwählen.

Die Büros des Unternehmens sind nach großen Fußballstadien benannt. Das Design ist schlicht und trotzdem gemütlich.

Die Büros des Unternehmens sind nach großen Fußballstadien benannt. Das Design ist schlicht und trotzdem gemütlich.

In einem neuen Team-Stream können die Fußballfans anschließend den zuvor festgelegten Mannschaften folgen und werden mit den für sie relevanten Informationen, Ergebnissen und Statistiken ihrer Vereine versorgt und können diese auch teilen. Dadurch, dass man in Zukunft zwei Mannschaften speziell folgt, sollen laut von Cranach kleinere Communities innerhalb der großen Community geschaffen werden. So wolle man den Nutzern nicht nur die Inhalte vermitteln, die man selbst lizenziert, sondern darüber hinaus auch weitere Informationen liefern, die im Internet frei verfügbar sind. Wer beispielsweise den 1. FC Köln abonniert, der bekommt ab sofort auch die relevanten Inhalte der Kölner Lokalzeitungen angezeigt. Ein Klick – schon öffnet sich der jeweilige Artikel auf der zugehörigen Website.

„Ob man es mag oder nicht: Die Menschen leben heute in sozialen Netzwerken“, sagte von Cranach im Gespräch mit dem Wall Street Journal Deutschland. „Sie kommunizieren darüber, sie konsumieren Inhalte.“ Darum sei es absurd, dass man immer noch mit manchen Verlegern diskutieren müsse. „Wir mussten zum Beispiel einen Youtube-Kanal wieder aus der App entfernen“, berichtet der Gründer über seine Erfahrungen mit Medien und Verlagen. Dabei gehe es längst nicht mehr nur darum, alle Inhalte ausschließlich über die eigenen Plattformen zu vertreiben. „Wenn man die anderen Medien nicht nutzt, dann macht es eben ein anderer“, sagt der 36-Jährige. Die Abneigung der Verlage spiele seinem Unternehmen darum letztlich in die Karten.

In einer Arena können die Angestellten Fußballspiele auf einer Leinwand sehen, es gibt Tore, um in den Pausen ein wenig zu trainieren, und natürlich ist auch der Teppich in den Büros grasgrün – genau wie die Sitzflächen auf den Hockern.

In einer Arena können die Angestellten Fußballspiele auf einer Leinwand sehen, es gibt Tore, um in den Pausen ein wenig zu trainieren, und natürlich ist auch der Teppich in den Büros grasgrün – genau wie die Sitzflächen auf den Hockern.

Dass es auch anders geht, zeigt eine Zusammenarbeit mit Talksport. Ab sofort kooperiert Onefootball mit dem britischen Radiosender. Inhalte der Engländer lassen sich jetzt über die App abrufen, alle Premier-League-Spiele werden in Kontinentaleuropa, Südamerika und einigen asiatischen Ländern exklusiv in mehreren Sprachen zu Verfügung stehen – live und on-demand. „Das ist aber nur der erste Schritt“, sagte von Cranach. In Zukunft will man noch weitere Kooperationen eingehen.

Bevor von Cranach Motain gründete, hatte er mit Internet und mobilen Apps laut eigener Aussage wenig am Hut. Nach einer Trainee-Stelle bei EM.TV sammelte der 36-Jährige erste Erfahrungen im Medienbereich. Die Idee zu iLiga kam ihm, als er merkte, dass man am Wochenende nur an Fußballinformationen kam, wenn man vor dem Radio saß – oder sonst später bei der Sportschau im Fernsehen. „Um 2008 herum hatten dann immer mehr Menschen mobile Endgeräte“, erinnert sich von Cranach. „Und weil die emotionale Abhängigkeit von Informationen bei den Fußball-Fans so groß ist, habe ich da einen Markt gesehen.“

In der firmeneigenen Küche kann gekocht werden. Und wer im Anschluss noch Lust auf eine Runde Kicker hat, der kommt ebenfalls nicht zu kurz.

In der firmeneigenen Küche kann gekocht werden. Und wer im Anschluss noch Lust auf eine Runde Kicker hat, der kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Gleich zu Beginn gelang es von Cranach, einen Investor zu finden, der früher auch im Fußballbereich tätig war, und den er überzeugen konnte, das Unternehmen zu gründen. „Damals wussten wir noch gar nicht, wie das Produkt einmal aussehen würde“, erinnert sich von Cranach. „Wir hatten noch keine große Vision. Wir wussten bloß: Wir wollen Fußball global auf einer Plattform für mobile Geräte abdecken“ – damals noch ganz vor dem Hintergrund der Veröffentlichung von Informationen. „Der soziale Aspekt stand noch im Hintergrund“, sagt der Gründer. Das soll sich mit dem Update nun ändern.

In Bochum 2008 gestartet, seien die ersten zwei Jahre gewissermaßen eine Testphase gewesen, erzählt von Cranach. Doch dann gehörte das Programm plötzlich zu den ersten 1.000 Apps für das iPhone, und plötzlich startete man durch. „Wir waren sehr früh auf dem Markt, weil wir vieles schon vorher aufgebaut hatten“, sagt der Gründer. „Da hatten wir Glück. Wir hatten früh auf Apps gesetzt, weil wir der Meinung waren, dass sie sich gegenüber mobilen Webseiten wegen der Personalisierungsmöglichkeiten durchsetzen würden.“

Onefootball ist kostenlos erhältlich. Geld wird mit Werbung und In-App-Käufen eingenommen. Unter dem Strich sind die Zahlen der Firma aber noch rot. Auf dem Bild sind Kabinen zu sehen, in die man sich für ein Gespräch zurückziehen kann.

Onefootball ist kostenlos erhältlich. Geld wird mit Werbung und In-App-Käufen eingenommen. Unter dem Strich sind die Zahlen der Firma aber noch rot. Auf dem Bild sind Kabinen zu sehen, in die man sich für ein Gespräch zurückziehen kann.

Doch nicht immer lief alles so rund. „Ich würde mich zur ersten Garde von Gründern zählen, die tatsächlich dreieinhalb Jahre lang durch alle möglichen Hochs und Tiefs gegangen sind – von ‚kurz vor der Insolvenz‘ bis ‚es geht doch weiter'“, sagt von Cranach. Die gäbe es ja heute kaum noch. „Das hat mich aber dazu gebracht, mit einer gewissen Passion an der Sache dranzubleiben.“

2010 zog das Start-up nach Berlin. Das Team wurde vergrößert, die Reichweite gesteigert und erste Umsätze konnten generiert werden. Anfang 2013 folgte die erste große Finanzspritze. Unter Führung des Wagniskapitalgebers Earlybird wurden zehn Millionen Euro eingesammelt, einige Monate später kamen noch einmal fünf Millionen hinzu – diesmal in einer Runde, die von Union Square Ventures angeführt wurde.

Verantwortlich für die Gestaltung der Büroräume war das Architekturbüro TKEZ.

Verantwortlich für die Gestaltung der Büroräume war das Architekturbüro TKEZ.

Bis zu zwei Milliarden Push-Notifications verschickt die Fußball-App von Motain im Monat, zusammengenommen 198 Jahre verbrachten Nutzer im Februar auf der Plattform. „Das sind die Zahlen, die uns treiben“, sagt von Cranach. „Da wollen wir weiter wachsen.“14 Millionen Mal wurde die App bisher heruntergeladen, „ganz ohne Marketingausgaben“. 50 Mitarbeiter hat Motain mittlerweile, den Großteil im Bereich Produktdesign und Entwicklung. Obwohl das Programm aus Deutschland kommt, werden 80 Prozent des Wachstums im Ausland erzielt. Daten, Bewegtbild und Nachrichten bekommen von Cranach und sein Team von verschiedenen Firmen, bei denen sie Inhalte lizenziert haben.

iLiga bzw. Onefootball ist kostenlos erhältlich. Geld wird mit Werbung und In-App-Käufen eingenommen, unter dem Strich sind die Zahlen aber noch rot. „Wir machen relevante Umsätze, die natürlich nicht die Kosten decken“, sagt von Cranach. „Wir befinden uns im Wachstum. Das ist etwas, das in Deutschland und Europa häufig missverstanden wird.“ Umsatz sei wichtig – keine Frage. Allerdings spiele auch das Geschäftsmodell eine wichtige Rolle. Wer es schaffe, einen Markt zu dominieren, der habe auch keine Probleme mit der Monetarisierung. „Das hat Twitter gezeigt, das haben all die großen Netzwerke gezeigt“, sagt von Cranach. Noch sieht er sich nicht in dieser Riege, „aber wenn das nicht mein Anspruch ist, dann würde ich Onefootball auch nicht machen.“

Zuerst erschienen auf WSJ.de