Beim Barcamp Rhein-Main erzählte man mir zum ersten Mal, dass in den Zügen der Deutschen Bahn Reservierungen für die Sitzplätze noch immer per Diskette eingelesen werden. So richtig glauben konnte und wollte ich das aber nicht. Warum sollte sich ein Milliarden-Unternehmen wie die Bahn auf eine total veraltete Technologie verlassen? Am Wochenende wurde ich eines Besseren belehrt.

Wie an anderer Stelle bereits geschrieben, war ich am Ostersonntag in Heidelberg. Mit dem IC sind das von Frankfurt gerade mal 52 Minuten. Eine schöne Stadt, die schon länger auf meiner Liste stand. Als ich am frühen Abend dann mit dem Zug zurückfuhr, stand ich gegen Ende der Fahrt im Gang neben der geöffneten Tür zum Zimmer des Zugführers. Der unterhielt sich gerade mit einem anderen Schaffner und hatte offensichtlich kein Problem damit, dass ihm die Reisenden dabei Gesellschaft leisteten.

Es dauerte nicht lange, da fiel mein Blick auf eine kleine Vertiefung in der Wand. Oberhalb einer Tastatur und neben einem Bildschirm, auf dem die Ankunfts- und Abfahrtzeiten für die kommenden Bahnhöfe in schicker Windows-3.1-Optik angezeigt wurden, war vage ein Disketten-Slot zu erkennen. Also fragte ich, ob das tatsächlich der Einschub für die Diskette sei, auf der die Reservierungen gespeichert werden. Und tatsächlich: Der ältere der beiden Herren bestätigte mir meine Vermutung und erlaubte mir sogar, ein Foto zu machen.

„Warum sollte man etwas austauschen, das noch funktioniert“, fragte er mich. Schließlich würden heute noch Millionen von Disketten irgendwo herumliegen. Allerdings verwies er dann schnell auch auf eine Neuerung, mit der offenbar viele Züge der Deutschen Bahn momentan ausgerüstet werden. In aufgeklebten Druckbuchstaben stand da neben dem Diskettenlaufwerk „Funkverbindung“* geschrieben. Damit dürfte es dann wohl nicht mehr lange dauern, bis solche Meldungen der Vergangenheit angehören:

*Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob da tatsächlich Funkverbindung stand. Es war jedenfalls irgendwas mit „Funk“.