Apple hat am Donnerstag Einladungen für eine Veranstaltung am 9. September in Cupertino, Kalifornien, verschickt. Analysten und Medien gehen davon aus, dass der US-Konzern an diesem Tag neben neuen iPhones auch die lange erwartete „iWatch“ vorstellen und damit den Siegeszug der so genannten „Wearables“ einläuten wird. Ich glaube und hoffe, dass sie sich irren. Denn wir brauchen keine iWatch.

Technik? Hier gibt es nichts zu sehen.

Wer sich an die ersten Smartphones erinnert, der denkt vermutlich an Organizer, die umständlich mit einem Stift bedient wurden und mehr Hosentaschencomputer als Telefon waren. Wirklich smart wurden die Geräte jedoch erst, als Apple 2007 mit dem iPhone den Markt aufrollte.

Beim Formfaktor hat sich in den vergangenen sieben Jahren wenig geändert. Heute werden hunderte Smartphones von unterschiedlichsten Herstellern angeboten. Die Bildschirme sind zwischen 3 und 6 Zoll groß, die Unterschiede – was Leistungsfähigkeit, Nutzerempfinden und Akkudauer angeht – verschwindend gering.

Ein Grund für den gleichbleibenden Formfaktor ist, dass es Platz braucht, um all die verschiedenen Sensoren, den Akku, die Kamera und natürlich den Bildschirm unterzubringen. Wenn Smartwatches aber ähnlich intelligent wir Smartphones sein sollen – wie kann das gelingen?

Die Antwort ist einfach: gar nicht. Wäre es heute schon möglich, ein Smartphone auf die Größe einer Armbanduhr zu schrumpfen – bei gleichbleibender Leistungsfähigkeit – dann hätten wir das längst gesehen. So aber müssen die Hersteller entscheiden, auf welche Funktionen sie verzichten wollen, um wenigstens noch eine halbwegs intelligente Armbanduhr zu entwickeln. Aber was soll ich mit einem Kompromiss, wenn ich doch alles haben kann?

Praktisch? Eher nicht.

Wir lesen ein Buch, in dem wir es mit den Händen vor die Augen halten. Bei einer Zeitung ist es genauso. Auch bei einem Smartphone ist die Grundhaltung ähnlich. Auf eine Armbanduhr zu schauen, ist motorisch jedoch ein völlig anderer Ablauf. Er ähnelt dem eines Vorhandschlags mit dem Tischtennisschläger.

Mal versucht, 15 oder 20 Minuten lang aufs Handgelenk zu blicken – also dorthin, wo man eine Smartwatch tragen würde? Und am besten noch in der Höhe, in der man auch sein Telefon halten würde? (Schließlich wollen wir doch auch weiterhin mitbekommen, was um uns herum passiert, ohne Gefahr zu laufen, gegen einen Laternenpfahl oder einen Mitmenschen zu rennen.) Ausprobiert? Vermutlich nicht. Denn das sieht nicht nur verdammt dämlich aus, es ist auf Dauer auch ziemlich anstrengend.

Brauche ich das wirklich? Ich glaube nicht.

Wenn ich arbeiten will, nehme ich meinen Laptop. Wenn ich im Internet surfen oder Bilder ansehen möchte, greife ich zum Tablet. Wenn ich unterwegs meine E-Mails abrufe oder Musik höre, hole ich das Smartphone aus der Tasche. Und wenn ich beim Laufen den Puls messen und nachverfolgen will, wo lang und wie weit ich gelaufen bin, dann kaufe ich mir ein Fitness-Armband. All diese Produkte wurden speziell für diese Aufgaben entwickelt.

Wenn man sich die bisherigen Smartwatch-Modelle ansieht, die Samsung, Motorola, LG und Co. herausgebracht haben, dann haben sie vor allem eine Sache gemeinsam, nämlich den Formfaktor. Egal ob rundes oder eckiges Display: die smarten Uhren sehen aus wie Uhren. Und Uhren wurden entwickelt, um die Zeit anzuzeigen. Das können sie am besten. Warum sollen sie also plötzlich Aufgaben von Geräten übernehmen, die speziell dafür gefertigt wurden?

Eine intelligente Armbanduhr wird niemals Tablet, Smartphone, Computer und Co. ersetzen. Warum also brauche ich sie dann? Warum sollte ich sie kaufen?

Ein Pager – nur hübscher.

Es gab eine Zeit, da waren Pager unglaublich populär. Für die, die sich nicht erinnern können: Pager waren kleine Geräte für den Gürtel. Sie sollten uns darüber informieren, dass wir angerufen wurden. Genau das können übrigens auch Smartwatches. Die Möglichkeit, zurückzurufen, bot der Pager aber nicht. Ähnlich sieht es bei smarten Armbanduhren (derzeit noch) aus. Der Pager hatte auch ein viel zu kleines Display, keine Tastatur, dafür ein paar Knöpfe und LEDs. Und bei Smartwatches? Yep – genau.

Nach einem Boom in den 1990er Jahren, als sich viele Menschen Handys noch nicht leisten konnten und stattdessen zu Pagern griffen, fristen sie heute ein Nischendasein in Krankenhäusern. Und vielleicht gehören smarte Armbanduhren genau dort auch hin? Denn sie sind in der Lage, Daten über unseren Körper zu sammeln, sie zu speichern und gegebenenfalls weiterzuleiten. Sie sind ein Gesundheitsaccessoire, ein Pulsmesser mit zusätzlichen Features. Aber sie sind sicherlich kein Ersatz für Smartphones.

Er hatte eine – und was ist aus ihm geworden?

David