BERLIN–Der Arbeitskampf der Lokführer geht in die nächste Runde. Neben Personen- und Güterverkehr will die Gewerkschaft GDL am Wochenende auch den Betrieb von Modell- und Spielzeugeisenbahnen in ganz Deutschland bestreiken. Betroffen sind alle Züge der Marken Märklin, Lego, Duplo, Mattel und Siku. Mit dem Aufruf verschärft die GDL den Konfrontationskurs mit der Deutschen Bahn erneut.

Zwischen Freitag, 10 Uhr, und Montag, 4 Uhr, sollen nach dem Willen der Gewerkschaft alle Züge und Waggons in ihren Verpackungen bleiben. Bereits installierte Anlagen wie im Miniatur Wunderland in Hamburg müssen während dieser Zeit vom Netz gehen. Streikbrechern drohen empfindliche Strafen.

Hersteller und Betreiber haben das Vorgehen der GDL in einer ersten Stellungnahme scharf kritisiert und angekündigt, in den kommenden Tagen einen Notfallplan veröffentlichen zu wollen. Torsten Franz vom Verband der Deutschen Modelleisenbahner (VDM) erklärte, dass man zwar grundsätzlich Verständnis für die Forderungen der Lokführer habe. Allerdings „wurde nun eine Eskalationsstufe erreicht, die wir nicht tolerieren können und wollen“, sagte der 59 Jahre alte pensionierte Zugbegleiter. Er forderte Bahn-Vorstand und Gewerkschaft auf, sich noch einmal an einen Tisch zu setzen, „damit am Ende nicht die Schwächsten unter uns den größten Schaden nehmen“.

GDL-Chef Claus Weselsky bezeichnete die jüngste Ausweitung des Arbeitskampfes in einer Pressemitteilung als „einen Schritt, der uns nicht leicht gefallen ist“. Dass nun auch Kinder zu den Leidtragenden zählten, sei einzig und allein die Schuld der Bahn, ließ sich der 55-Jährige zitieren. Er kündigte an, am Wochenende mit gutem Vorbild voranzugehen und 66 Stunden lang nicht mit seiner Modelleisenbahn vom Bautyp H0 spielen zu wollen.

Der fünfjährige Klaus aus Goslar im Harz hält wenig von den Plänen der GDL. Seine Eltern überbrachten ihm am frühen Mittwoch die traurige Botschaft, was eine minutenlange Heulattacke zur Folge hatte. „Wir haben versucht, es ihm möglichst schonend beizubringen“, sagte Vater Manfred im Gespräch mit diesem Blog. „Aber wie soll ein kleiner Junge verstehen, dass auf seinem Rücken ein Kampf um mehr Lohn und Mitspracherechte ausgetragen wird?“

Die Familie sieht sich alleingelassen von Bahn, Gewerkschaft und Politik. Einzig von den Herstellern habe man eine kurze E-Mail erhalten. „Darin stand, dass wir die kommenden Tage nutzen sollen, den Kindern anderes Spielzeug näher zu bringen“, erzählte die Mutter von Klaus. Von Lufthansa-Flugzeugen wurde jedoch explizit abgeraten. Diese gelten ebenfalls als streikanfällig und stehen darum auf der roten Liste.