Seit März 2013 gibt es bei Twitter einen Account namens @MagicRecs. Ganze 67 Tweets wurden dort bisher veröffentlicht. Trotzdem folgen bereits über 12.500 Nutzer dem mysteriösen Verfasser dieser Kurznachrichten. Und das mit gutem Grund.

Magic Recs bedeutet übersetzt soviel wie „magische Empfehlungen“. Wer dem Account folgt, der soll laut Profilbeschreibung „in Echtzeit persönliche Empfehlungen zu Nutzern und Inhalten über DMs“ erhalten – also über Nachrichten, die bei Twitter außer dem Accountinhaber sonst niemand lesen kann.

Ein Beispiel: Ich folge nun seit etwa einer Woche @MagicRecs. In dieser Zeit habe ich zwischen einer und zwei Nachrichten pro Tag bekommen. Am Samstag informierte man mich darüber, dass acht Menschen, denen ich bei Twitter folge, nun ihrerseits den Account @Smaracuja abonniert haben. Der Grund dafür ließ sich schnell recherchieren: Hinter @Smaracuja steckt die Berliner Grafikdesignerin und Travel-Bloggerin Nina Hüpen-Bestendonk. Sie hielt an diesem Tag einen Vortrag beim Fachkongress „Besser Online“ des Deutschen Journalisten-Verbandes in Mainz. Viele Kollegen von mir waren vor Ort – und sie hielten es für angebracht, dem Account @Smaracuja zu folgen. Nur wenige Sekunden später wurde ich per Nachricht darüber informiert.

Und noch ein Beispiel: An diesem Sonntag ist in Bayern Landtagswahl. Ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung in München twitterte darum am Morgen:

Obwohl ich @ChKruegel nicht folge, bekam ich doch eine Nachricht von @MagicRecs, in der es hieß, dass der Beitrag innerhalb kürzester Zeit von drei Personen in meinem Twitter-Dunstkreis geteilt wurde. Man wollte mir also Inhalte präsentieren, die für mich relevant sein könnten. Genau wie beim Account @Smaracuja hat das gut funktioniert.

Doch wer oder was verbirgt sich eigentlich hinter @MagicRecs? Laut Profilbeschreibung handelt es sich um ein Experiment von Twitter. Viel mehr ist bisher nicht bekannt. Der blaue Haken im Profil, der für einen verifizierten Account steht, und Hinweise von führenden Mitarbeitern des sozialen Netzwerkes unterstreichen die Behauptung, dass hier tatsächlich Twitter selbst die Finger im Spiel hat.

Die New York Times spekuliert, dass Twitter vielleicht einfach nur seinen Empfehlungs-Algorithmus testen möchte. Dass man herausfinden will, ob Nutzer auch über DMs angesprochen werden können. Das wiederum könnte bedeutend für zukünftige Marketing-Strategien sein. Jetzt, da bekannt ist, dass Twitter den Börsengang plant, wird die Frage nach einem funktionierenden Erlösmodell immer wichtiger. Werbung über persönliche Nachrichten könnte da eine große Rolle spielen.

Doch zurück zu @MagicRecs und personalisierten Empfehlungen. Hilfsmittel zur Suche nach besonders populären Inhalten innerhalb und außerhalb Twitters gibt es viele. Favstar listet zum Beispiel die am häufigsten gefavten und geteilten Tweets aller Zeiten auf und weist zusätzlich auf aktuell besonders beliebte Beiträge hin. Bei der Suche über Hashtags werden oben schon länger die populärsten (bzw. gekauften) Tweets zu diesem Thema angezeigt – erst dann folgen die aktuellsten. Neu ist bei @MagicRecs jedoch, dass man innerhalb kürzester Zeit über eine wichtige Veränderung informiert wird, und dabei nur die Nutzer eine Rolle spielen, die man selbst zuvor als folgenswert erachtet hat.

Mit seinen über 12.500 Followern ist @MagicRecs im Vergleich zu anderen Twitter-Größen noch relativ klein. Doch es dürfte interessant sein zu verfolgen, wie sich das Experiment weiterentwickelt und welche Pläne Costolo und Co. damit verfolgt.