In den letzten Wochen und Monaten hat es immer wieder Kritik am Vorgehen von Twitter im Umgang mit Beschwerden wegen geschlechtsspezifischer Belästigungen gegeben. Oft wurde dabei kritisiert, dass das Unternehmen nur selten und wenn dann außerordentlich träge auf entsprechende Anträge reagiere. Viele Frauen fühlten sich in der Vergangenheit häufig ignoriert und sahen angesichts von Drohungen, Beschimpfungen und Schlimmerem oft keine Alternative, als ihre Accounts zu löschen oder auf privat zu stellen. Denn die Nutzungsbedingungen von Twitter sind recht liberal. Vieles, was für den Empfänger oder die Empfängerin verletzend ist, kann anders ausgelegt und unter dem Mantel der Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden.

Dass Twitter in diesem Bereich Nachholbedarf hat, hat das Unternehmen in der Vergangenheit bereits eingeräumt. Nun scheint man tatsächlich einen wichtigen Schritt zu unternehmen, damit es in Zukunft einfacher ist, entsprechende Beiträge und Nutzer melden zu können. Am Donnerstag hat die gemeinnützige Vereinigung Woman, Action & Media (WAM) eine Partnerschaft mit Twitter verkündet, die geschlechtsspezifische Belästigungen mit einem neuen Meldeprozess reduzieren soll.

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Über ein Online-Formular können die Betroffenen (egal ob Mann oder Frau) angeben, welche Form der Bedrohung sie erleben (Hasssprache, Gewaltandrohung, Aufruf zur Belästigung durch andere, Veröffentlichung falscher Informationen, Bloßstellung, etc.), von wem sie sich belästigt fühlen (eine Person oder mehrere), und ob dies auch noch an anderer Stelle im Internet geschieht.

Neben persönlichen Informationen kann dort auch eingetragen werden, wann die Belästigung anfing, ob man um seine persönliche Sicherheit fürchtet, und natürlich können auch die Nutzernamen des- bzw. derjenigen mitgeteilt werden, die als mutmaßliche Täter infrage kommen. Der Antrag darf auch für eine andere Person ausgefüllt werden.

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Nach einer ersten Testphase will WAM die gesammelten Daten auswerten, um gemeinsam mit Twitter besser nachvollziehen zu können, wie genau sich solche Formen der Belästigungen in sozialen Netzwerken abspielen und wie man besser auf sie antworten kann.

Jaclyn Friedman, leitende Direktorin von WAM, sagte laut Fast Company über das Projekt:

The disproportionate targeting of women online results in them removing their voices from the public conversation. We’re so glad that Twitter recognizes that the best way to ensure equally free speech for all users on their platform is to ensure that all users are equally free to speak without being targeted by harassment, abuse and threats.

Wer selbst betroffen ist, findet unter diesem Link das entsprechende Formular. WAM weist darauf hin, dass die Informationen innerhalb von 24 Stunden an das Unternehmen übermittelt werden sollen. Man sei jedoch nicht Twitter und könne darum auch nicht dessen Entscheidungen treffen, heißt es. Die Organisation verspricht jedoch, so gut es geht beratend zur Seite zu stehen, damit möglichst schnell eine Lösung gefunden werde.