Der durchschnittliche Twitter-Account hat nur einen einzigen Follower. Das ist nicht wirklich viel. Sortiert man die Dateileichen aus, kommen auf jeden aktiven Nutzer im Schnitt 61 Follower. Schon etwas besser. Doch wer ganz oben mitspielen will, der muss sich noch mehr ins Zeug legen.

Wer sich ein wenig mit sozialen Netzwerken beschäftigt, der weiß, dass jede Woche eine neue Studie herauskommt, die heute Facebook, morgen Twitter und übermorgen Google+ vorne sieht – was die Nutzerzahlen betrifft. Ich habe längst aufgehört, diese Untersuchungen und Analysen alle durchzulesen. Viele sind wenig relevant, einigen fehlt es an der korrekten Durchführung und wieder andere sind kaum verständlich. Für jede Studie lässt sich in der Regel ein Gegenstück finden, das es genau anders sieht.

Es gibt aber auch Untersuchungen, die tatsächlich spannend sind. Das sind in der Regel Analysen, die es so zuvor noch nicht gab. Sie beinhalten Zahlen, die entweder stark von dem Bild abweichen, das ich mir zuvor gemacht hatte. Oder die dazu führen, dass ich mir an den Kopf fassen muss, weil ich nicht selbst darauf gekommen bin. Ein solches Beispiel ist die Studie von Jon Bruner von O’Reilly zu Twitter-Nutzern.

Bruner hat sich mit den Followerzahlen auf Twitter auseinandergesetzt. Er hat untersucht, wie viele Menschen einem Twitter-Account eigentlich folgen. Das Ergebnis: der durchschnittliche Twitter-Account hat nur einen einzigen Follower. Nun muss man natürlich berücksichtigen, dass viele dieser Accounts längst verwaist oder nie wirklich aktiv waren. Aber selbst diejenigen, die in den vergangen 30 Tagen einen Tweet abgesetzt haben, kommen im Schnitt auf gerade einmal 61 Follower.

400.000 Twitter-Accounts hat Bruner im Herbst 2013 unter die Lupe genommen. Dabei hat sich herausgestellt, dass es durchaus ein paar Nutzer gibt, die ohne das Netzwerk vermutlich weniger einflussreich wären. Ein Großteil der Personen mit 3.000 Followern oder mehr besteht jedoch aus Meinungsmachern, Experten und Stars und Sternchen.

Aktive Twitternutzer folgen im Schnitt 117 anderen Accounts. Drei Viertel folgen außerdem mehr Personen, als sie selbst Follower haben. Hier noch ein paar weitere Zahlen:

  • Mit 458 Followern und mehr gehört man laut Bruner bereits zu den oberen zehn Prozent.
  • Nur ein Prozent der Twitter-Nutzer kommt auf 2.991 Follower oder mehr.
  • 0,1 Prozent der Twitter-Nutzer kommen auf über 24.964 Follower.
  • Jeder tausendste Account hat einen Nutzernamen, der in irgendeiner Form als Anspielung auf Justin Bieber zu verstehen ist. (Warum Bruner das untersucht hat, kann ich zwar nicht sagen. Interessant ist es allemal.)

Bei Twitter geht es also nicht in erster Linie darum, eine Konversation zu betreiben. Bei Twitter werden Nachrichten konsumiert. Und diese Nachrichten werden zum Großteil von einer kleinen aber bedeutenden Minderheit publiziert. Sie sind die Gatekeeper. Sie sind die Gatetweeter.

Anmerkung: Als aktive Nutzer bezeichnet Bruner in seiner Untersuchung Accounts, die in den vergangene 30 Tagen etwas gepostet haben. Twitter selbst sieht als aktive Nutzer die Konten, in die sich ihre Besitzer im vergangenen Monat eingeloggt haben.