Ende März hat das Pew Research Center seinen neuesten Bericht zum aktuellen Zustand der Medien in den USA veröffentlicht. Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur des Wall Street Journals und jetzige Präsident von Pew, Allan Murray, schrieb aus diesem Anlass sieben Punkte für seinen ehemaligen Arbeitgeber auf, warum es mit dem Nachrichtengeschäft langsam wieder aufwärts geht. Ich habe diese Punkte hier noch einmal zusammengefasst.

Laut Murray waren die vergangenen zehn Jahre für die Journalisten nicht gerade einfach. Fast ein Drittel der Jobs in der Zeitungsbranche ist seit 2003 verschwunden, und die Umsätze mit Zeitungsanzeigen – auch digital – sind seit dem Höhepunkt 2005 um die Hälfte gefallen.

Es gibt laut Murray aber durchaus ein paar Punkte im neuen Bericht des Pew Research Center, die Hoffnung für die Nachrichtenbranche machen. Von Erholung zu sprechen, sei zwar übertrieben. „Aber es gibt Anzeichen dafür, dass erste zarte Triebe durch die Schneedecke wachsen.“

Punkt 1: Neue Stellen

Jobs
In der digitalen Welt gab es zahlreiche Neueinstellungen. Buzzfeed hat bis zu 170 Mitarbeiter eingestellt, darunter Pulitzer-Preisträger Mark Schoofs.

Mashable hat den ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur der New York Times, Jim Roberts, an die Spitze seiner rund 70 Mitarbeiter berufen.

Pew Research hat fast 5.000 Vollzeitstellen bei 468 ausschließlich digitalen Nachrichtenorganisationen in den USA gezählt. Das tröste laut Murray zwar nicht über die 16.000 Jobs hinweg, die in traditionellen Redaktionen weggefallen sind. Aber es sei ein Anfang.

Punkt 2: Neue Investitionen

Finanzen
Es wird wieder Geld investiert. Amazon-Gründer Jeff Bezos hat die Washington Post gekauft, und Ebay-Gründer Pierre Omidyar hat 250 Millionen US-Dollar in sein neues First-Look-Media-Projekt gesteckt.

Nicht allen Investoren geht es dabei um Profit. Laut Murray baut First Look Media zum Beispiel einen explizit nicht auf Gewinn orientierte Nachrichtenredaktion auf, zusätzlich zu einem Tech-Unternehmen, das die Journalisten bei ihrer Arbeit unterstützen und profitorientiert sein soll.

Pew Research geht aber davon aus, dass dieses neue Geld – sowohl gewinn- und nichtgewinnorientiert – bisher nur etwa ein Prozent aller finanziellen Mittel ausmacht, die in den USA in die Medien fließen.

Punkt 3: Neue Gewohnheiten

Die Untersuchungen von Pew Research zeigen, dass mobile Geräte immer wichtiger werden. 68 Prozent der Erwachsenen in den USA gehen heute über Smartphones und Tablets ins Internet. Damit steigt auch die Mediennutzung insgesamt.

2012 berichteten 31 Prozent der Tablet-Nutzer, dass sie mehr Nachrichten konsumierten als früher. Die Medienunternehmen haben laut Murray immer noch Probleme damit, aus dem zusätzlichen mobilen Traffic Geld zu machen. Aber mehr Leser seien schließlich nie verkehrt.

Punkt 4: Neue Wege

Social
Junge Menschen bekommen ihre Nachrichten immer häufiger aus sozialen Netzwerken. Gemeinsam mit der Knight Foundation fand Pew Research heraus, dass 64 Prozent der US-Amerikaner Facebook nutzen.

Obwohl die meisten davon nicht auf der Suche nach Nachrichten dorthin gehen, konsumieren fast die Hälfte von ihnen tatsächlich Nachrichten, während sie dort sind.

Jüngere Erwachsene, die an Nachrichten auf anderen Plattformen grundsätzlich weniger Interesse als ältere Erwachsene zeigen, waren hingegen fast genauso, wenn nicht sogar mehr daran interessiert, Nachrichten zu lesen, die sie bei Facebook fanden.

Gerade in den vergangenen Monaten war deutlich zu erkennen, wie stark Facebook zur Nachrichtenquelle werden will. Wer neuerdings auf den Link zu einem externen Artikel klickt, bekommt bei seiner Rückkehr ins Netzwerk automatisch verwandte Meldungen angezeigt.

Punkt 5: Neue Formate

Video
Das Geschäft mit Videos im Netz wächst.
Während die TV-Anbieter im vergangenen Jahr Einbußen hinnehmen mussten – die Zuschauerzahl von Fox, CNN und MSNBC fiel zusammengenommen um elf Prozent – ging es im Onlinevideobereich steil nach oben.

Mehr als 60 Prozent der Erwachsenen in den USA schauen sich laut dem neuesten Pew-Research-Bericht heute Videos im Netz an, und etwa die Hälfte davon konsumiert auch Nachrichtenvideos. Das Werbegeschäft mit Videos legte um 44 Prozent zu.

Punkt 6: Neue Instrumente

Digitale Werkzeuge haben Medienhäuser in die Lage versetzt, auf neuen Wegen mit ihren Kunden zu interagieren.

Die beliebteste „Story“ auf der New York Times Website war im vergangenen Jahr ein Dialekt-Quiz, bei dem die Teilnehmer herausfinden konnten, aus welchem Teil des Landes ihre Sprachmuster stammen.

Der auf Daten fokussierte Blog FiveThirtyEight, der im vergangenen Jahr zu ESPN migrierte, steht ebenfalls für diesen Trend. Die Nachrichtenorganisationen erkennen laut Murray, dass sie mehr Online-Leser mit der interaktiven Präsentation von Daten auf ihre Seite bekommen als mit geschriebenem Text.

Punkt 7: Neue Erlöse

Paywalls bringen neue Erlöse. Auch wenn es weiterhin Debatten darüber gibt, wie und ob für Nachrichten bezahlt werden soll: die Mauern werden hochgezogen.

Pew Research schätzt, dass etwa 500 US-Tageszeitungen mittlerweile digitale Bezahlschranken einsetzen oder dies zumindest planen. Als Resultat daraus steigen auch die Erlöse, die durch die Leser generiert werden, nach Jahren der Flaute wieder an – wenn auch nur moderat.

Paywalls zwingen die Redakteure darüber nachzudenken, was sie den Konsumenten ihrer digitalen Angebote so alles als Inhalte präsentieren. Es geht laut Murray nicht mehr ausschließlich darum, „mit Tierfotos oder Justin-Bieber-Geschichten möglichst viele Klicks zu generieren“.